Anekdoten aus der Schachwelt

Bogoljubow und Tartkower sollten einmal in einem Gästebuch ihre große Liebe zum Schachspiel begründen. Bogoljubow schrieb: “Ich liebe das Schachspiel, weil es so logisch ist.â€

Tartakower las dies und konnte natürlich der Verlockung nicht widerstehen: “Ich liebe das Schachspiel, weil es unlogisch ist.â€

Efim Dmitrijewitsch Bogoljubow (1889 - 1952)
Savielly (Xaver) Grigoriewitsch Tartakower (1887 - 1956)

Das kleine Fürstentum Monaco wollte im Jahr 1967 ein gewaltiges Meisterturnier organisieren. Die Veranstalter bemühten sich daher um eine erstklassige Besetzung. So kabelten sie an den USA-Verband: “Laden zwei Großmeister ein, einer davon Fischer!â€
Was sich dann während des Turniers so alles zutrug, drang nicht an die breite Öffentlichkeit. Die höflichen Herren vom Organisationskomitee wollten offenbar ihre olympische Wäsche nicht vor den Augen der Sterblichen waschen. Doch im Jahr darauf lautete ihr Einladungsschreiben an die Amerikaner: “Laden zwei Großmeister ein, keiner davon Fischer!â€

Robert “Bobby†James Fischer (*1943)

Als Richard Reti 1920 in Göteborg ein stark besetztes Turnier gewonnen hatte, klopfte ihm Bogoljubow kameradschaftlich auf die Schulter und meinte: “Trotzdem wirst du niemals Weltmeister, du bist dafür viel zu dick!â€
“Aber du bist ja selbst viel dicker als ichâ€, entgegnete Reti erstaunt. “Ja, aber ich bin Bogoljubowâ€, kam es bescheiden zurück.

Efim Dmitrijewitsch Bogoljubow (1889 - 1952)
Richard Reti (1889 - 1929)

Savielly Tartakower, promovierter Jurist von Beruf, Schachmeister aus Berufung, gab einst in Wien eine Simultanvorstellung. Dabei passierte es, dass er einen simplen Figurenverlust übersah. Als er das Malheur überdachte, trat der Kellner heran und servierte seinem Gegner einen Kaffee, der der geistesabwesende Großmeister im Handumdrehen austrank. Sein Kontrahent ärgerte sich so sehr darüber, dass er seinerseits einen Offizier einbüßte. Zum Verlauf dieser Partie befragt, erklärte Tartakower: “Zuerst stellte ich eine Figur ein, dann mein Gegner einen Kaffee, und dieses Handicap war für ihn zu groß!â€

Savielly (Xaver) Grigoriewitsch Tartakower (1887 - 1956)

Als der damalige Weltmeister Aljechin bei einem Spaziergang in Paris ein kleines Café betrat, um dort eine Erfrischung einzunehmen, bemerkte er, dass im selben Raum Schach gespielt wurde.
Nach einer Weile wurde er von einem Herrn gebeten, mit ihm doch eine Partie Schach zu spielen. Der Weltmeister willigte ein, die Gegner setzten sich daraufhin an einen Tisch und stellten die Figuren auf.
“Ich gebe Ihnen einen Turm vorâ€, sagte der Weltmeister. Leicht entrüstet erwiderte sein Kontrahent: “Aber wieso denn? Sie kennen mich doch überhaupt nicht.â€
“Eben deswegenâ€!, antwortete Aljechin.

Alexander Aljechin (1892 - 1946)

Bei der 46. UdSSR-Meisterschaft in Tiflis war die Partie zwischen dem jungen Kasparov und Bagirow unentschieden ausgegangen, weil Kasparov sich im entscheidenden Moment nicht dazu entschließen konnte, eine Figur ins Geschäft zu stecken.
Bei der nachträglichen Analyse drehte sich alles um dieses Versäumnis. Der künftige Weltmeister versuchte sich zu verteidigen: “Ich habe den Springer nicht geopfert, weil ich einfach nicht alles bis zum Schluss durchrechnen konnte!†Da meinte Tal trocken: “Gewöhn dir das mal an, Garri: Erst opfern, dann rechnen!â€

Garri Kasparov (*1963
Wladimir Bagirow (1936 - 2001)
Miachail Tal (1936 - 1992)

In einem Turnier benötigte Akiba Rubinstein nur noch ein Unentschieden, um den Sieg davonzutragen. Ein paar Züge wurden gespielt und sein Gegner bot Remis an. Rubinstein lehnte ab!
Einige Züge später, als Rubinstein inzwischen deutlichen Vorteil hatte, bot er selbst Remis, was sofort und gönnerhaft akzeptiert wurde.
Er sagte dann: “ICH entscheide, wie die Partie ausgeht, gegen einen Spieler von IHREM Kaliber!â€

Akiba Rubinstein (1882 - 1961)

Bei der US-Meisterschaft 1957/58 gewann James T. Sherwin in den ersten Runden alle Partien. Samuel Reshevsky, der es ihm gleichtat, sagte: “Sehen sie, niemand kann sie schlagen. Nun muss ich sie selbst stoppen!†- “Könnte seinâ€, erwiderte Sherwin, “aber vielleicht stoppe ich auch sie!†- “Nicht in einer Million Jahren!â€, war Reshevskys Antwort.
Wenige Runden später schlug Sherwin Reshevsky und sagte: “Wie doch die Zeit vergeht!â€

James T. Sherwin (*1938)
Samuel Reshevsky (1911 - 1992)

â€Wenn sie tausendmal soviel wissen würden, es würde ihnen nichts nützen, denn das Schach muss man damit†- und Aljechin deutete im Gespräch mit dem tschechischen Meister Opocenski an seinen Kopf - “spielen. Im Schach entscheidet nämlich nicht das, was man weiß, sondern das, was man kann. Die Theorie ist zwar sehr wichtig, aber der Witz gilt manchmal mehr. Der Witz würzt das Leben und nicht das Einmaleins!â€

Alexander Aljechin (1892 - 1946)
Karel Opocenski (1892 - 1975)
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