Anekdoten aus der Schachwelt

 

Alexander Aljechin (1892 - 1946)

Als der damalige Weltmeister Aljechin bei einem Spaziergang in Paris ein kleines Café betrat, um dort eine Erfrischung einzunehmen, bemerkte er, dass im selben Raum Schach gespielt wurde.
Nach einer Weile wurde er von einem Herrn gebeten, mit ihm doch eine Partie Schach zu spielen. Der Weltmeister willigte ein, die Gegner setzten sich daraufhin an einen Tisch und stellten die Figuren auf.
“Ich gebe Ihnen einen Turm vor”, sagte der Weltmeister. Leicht entrüstet erwiderte sein Kontrahent: “Aber wieso denn? Sie kennen mich doch überhaupt nicht.”
“Eben deswegen!", antwortete Aljechin.


Alexander Aljechin (1892 - 1946) und Karel Opocenski (1892 - 1975)

”Wenn sie tausendmal soviel wissen würden, es würde ihnen nichts nützen, denn das Schach muss man damit” - und Aljechin deutete im Gespräch mit dem tschechischen Meister Opocenski an seinen Kopf - “spielen. Im Schach entscheidet nämlich nicht das, was man weiß, sondern das, was man kann. Die Theorie ist zwar sehr wichtig, aber der Witz gilt manchmal mehr. Der Witz würzt das Leben und nicht das Einmaleins!”


Alexander Aljechin (1892 - 1946) und

Savielly (Xaver) Grigoriewitsch Tartakower (1887 - 1956)

Bei einem englischen Turnier geriet der damalige Weltmeister Aljechin durch ein zu riskantes Spiel gegen seinen Gegner in eine äußerst fatale Lage. Aljechin gelang es dennoch mit viel Glück, sich bis zum Abbruch zu retten.
Voller Stolz zeigte sein Gegner dann in der Mittagspause die Abbruchstellung  einem Dr. Tartakower und fragte diesem dann nach einigen Erläuterungen:  “Nun, was denken Sie, wer gewinnt die Partie?”
Darauf Dr. Tartakower trocken: “Aljechin.” “Aber wieso denn? Ich habe doch die viel bessere Stellung!”, rief Aljechins Gegner erstaunt.
Dr. Tartakower antwortete: “Ja, aber Sie haben mich ja nicht gefragt, wer die  bessere Stellung hat, sondern wer die Partie gewinnt.” und verschwand  daraufhin.
Tatsächlich konnte Aljechin die Partie letztendlich für sich entscheiden.


Efim Dmitrijewitsch Bogoljubow (1889 - 1952) und Richard Reti (1889 - 1929)

Als Richard Reti 1920 in Göteborg ein stark besetztes Turnier gewonnen hatte, klopfte ihm Bogoljubow kameradschaftlich auf die Schulter und meinte: “Trotzdem wirst du niemals Weltmeister, du bist dafür viel zu dick!”
“Aber du bist ja selbst viel dicker als ich”, entgegnete Reti erstaunt. “Ja, aber ich bin Bogoljubow”, kam es bescheiden zurück.


Efim Dmitrijewitsch Bogoljubow (1889 - 1952) und

Savielly (Xaver) Grigoriewitsch Tartakower (1887 - 1956)

Bogoljubow und Tartkower sollten einmal in einem Gästebuch ihre große Liebe zum Schachspiel begründen. Bogoljubow schrieb: “Ich liebe das Schachspiel, weil es so logisch ist.”
Tartakower las dies und konnte natürlich der Verlockung nicht widerstehen: “Ich liebe das Schachspiel, weil es unlogisch ist.”


Robert “Bobby” James Fischer (1943-2008)

Das kleine Fürstentum Monaco wollte im Jahr 1967 ein gewaltiges Meisterturnier organisieren. Die Veranstalter bemühten sich daher um eine erstklassige Besetzung. So kabelten sie an den USA-Verband: “Laden zwei Großmeister ein, einer davon Fischer!”
Was sich dann während des Turniers so alles zutrug, drang nicht an die breite Öffentlichkeit. Die höflichen Herren vom Organisationskomitee wollten offenbar ihre olympische Wäsche nicht vor den Augen der Sterblichen waschen. Doch im Jahr darauf lautete ihr Einladungsschreiben an die Amerikaner: “Laden zwei Großmeister ein, keiner davon Fischer!”


Garri Kasparov (1963 - ...), Wladimir Bagirow (1936 - 2001) und
Michail Tal (1936 - 1992)

Bei der 46. UdSSR-Meisterschaft in Tiflis war die Partie zwischen dem jungen Kasparov und Bagirow unentschieden ausgegangen, weil Kasparov sich im entscheidenden Moment nicht dazu entschließen konnte, eine Figur ins Geschäft zu stecken.
Bei der nachträglichen Analyse drehte sich alles um dieses Versäumnis. Der künftige Weltmeister versuchte sich zu verteidigen: “Ich habe den Springer nicht geopfert, weil ich einfach nicht alles bis zum Schluss durchrechnen konnte!” Da meinte Tal trocken: “Gewöhn dir das mal an, Garri: Erst opfern, dann rechnen!”


Miguel Najdorf (1910 - 1997) und Isaak Efremowitsch Boleslawski (1919 - 1977)

1953 sollte zwischen Najdorf und Boleslawski während ihrer Turnierpartie in Zürich folgende Unterhaltung stattgefunden haben.
Najdorf: “Remis?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf nach einiger Zeit nachdenklich: “Spielen Sie auf Gewinn?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf sofort: “Also doch Remis?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf: “Spielen Sie auf Verlust?”
Boleslawski: “Nein!”
Najdorf: “Ja was wollen Sie denn?”
Boleslawski: “Spielen!”


Akiba Rubinstein (1882 - 1961)

In einem Turnier benötigte Akiba Rubinstein nur noch ein Unentschieden, um den Sieg davonzutragen. Ein paar Züge wurden gespielt und sein Gegner bot Remis an. Rubinstein lehnte ab!
Einige Züge später, als Rubinstein inzwischen deutlichen Vorteil hatte, bot er selbst Remis, was sofort und gönnerhaft akzeptiert wurde.
Er sagte dann: “ICH entscheide, wie die Partie ausgeht, gegen einen Spieler von IHREM Kaliber!”


James T. Sherwin (*1938) und Samuel Reshevsky (1911 - 1992)

Bei der US-Meisterschaft 1957/58 gewann James T. Sherwin in den ersten Runden alle Partien. Samuel Reshevsky, der es ihm gleichtat, sagte: “Sehen sie, niemand kann sie schlagen. Nun muss ich sie selbst stoppen!” - “Könnte sein”, erwiderte Sherwin, “aber vielleicht stoppe ich auch sie!” - “Nicht in einer Million Jahren!”, war Reshevskys Antwort.
Wenige Runden später schlug Sherwin Reshevsky und sagte: “Wie doch die Zeit vergeht!”


Wilhelm Steinitz (1836 - 1900)

Um seine finanzielle Lage zu verbessern, spielte der Weltmeister Steinitz  regelmäßig in einem Londoner Cafehaus Schach-Schnellpartien um Geld. Die Beträge waren nicht so klein wie früher in Wien, meist handelte es sich um ein englisches Pfund.
Einer seiner besten Dauerkunden war ein englischer Geschäftsmann, der jedoch sehr schwach spielte und daher immer verlor.
Nachdem sich dieser Spielverlauf wochenlang wiederholt hatte, überlegte ein  Freund Steinitzs, ob es nicht ratsamer sei, seinen wohlhabenden Partner  auch einmal gewinnen zu lassen, bevor jener das Interesse am  Schachspielen mit dem Weltmeister verliere und Steinitz somit seinen  besten Kunden.
Diese Überlegung erschien auch Steinitz sinnvoll und er beschloss daraufhin, die nächste Partie zu verlieren.
So stellte er im anschließendem Spiel seine Dame ungedeckt seinem Gegner entgegen. Als jener dies schließlich nach sechs weiteren Zügen bemerkte und die Dame schlug, gab Steinitz sofort auf.
Er schob die Schachfiguren zusammen und begann, sie für die nächste Partie aufzustellen. Davon wollte sein Gegner allerdings nichts mehr wissen.
Er schrie: “Ich habe den Weltmeister besiegt! Ich habe den Weltmeister  besiegt”, stürmte aus dem Cafehaus und wurde dort nie mehr gesehen.


Wilhelm Steinitz (1836 - 1900)

Während einer Zugfahrt nach London kam der Weltmeister Steinitz mit einem - wohlhabend aussehenden - Geschäftsmann ins Gespräch. Im Laufe der Unterhaltung wurde Steinitz gefragt, welchen Beruf er denn ausübe. “Ich bin Schachspieler, mein Herr!”, lautete seine Antwort.
“Gut, aber ich wollte gern wissen, was Ihr Beruf ist”, entgegnete der Geschäftsmann.
Daraufhin Steinitz: “Ich spaße nicht - Schachspieler ist wirklich mein Beruf.”
Der Gentleman, der von seiner achtjährigen Tochter begleitet wurde, schaute äußerst ungläubig.
Doch plötzlich mischte sich die Tochter, in das Gespräch ein: “Spielen Sie immer noch Schach?”
Steinitz lächelte und meinte: “Freilich - und warum auch nicht?”
“Ich habe mit den Figuren gespielt”, entgegnete daraufhin die Achtjährige,  “als ich noch ganz klein war - aber jetzt spiele ich schon lange nicht  mehr damit.”


Wilhelm Steinitz (1836 - 1900)

Während eines Wettkampfes wurde Steinitz einmal gefragt, wie er denn seine Chance sehe, dieses Turnier zu gewinnen.
Gesagt haben soll er: “Ich habe die besten Aussichten, den ersten Preis zu  gewinnen - den jeder muss gegen Steinitz spielen, nur ich nicht!”


Savielly (Xaver) Grigoriewitsch Tartakower (1887 - 1956)

Savielly Tartakower, promovierter Jurist von Beruf, Schachmeister aus Berufung, gab einst in Wien eine Simultanvorstellung. Dabei passierte es, dass er einen simplen Figurenverlust übersah. Als er das Malheur überdachte, trat der Kellner heran und servierte seinem Gegner einen Kaffee, den der geistesabwesende Großmeister im Handumdrehen austrank. Sein Kontrahent ärgerte sich so sehr darüber, dass er seinerseits einen Offizier einbüßte. Zum Verlauf dieser Partie befragt, erklärte Tartakower: “Zuerst stellte ich eine Figur ein, dann mein Gegner einen Kaffee, und dieses Handicap war für ihn zu groß!”